Sonntag, 22. April 2018

In 72 Ländern werden Homosexuelle verfolgt, in acht davon droht ihnen sogar die Todesstrafe. Filmstudenten der FH Dortmund produzieren jetzt für ihre Abschlussarbeit einen Kurzfilm zu diesem Thema. Dafür sammeln sie zurzeit Geld bei Startnext.

Irgendwo in einer persischen Kleinstadt lebt Navid. Er lernt sich gerade selbst kennen, möchte in sein Erwachsenenleben starten. Allerdings realisiert er irgendwann schmerzhaft, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Er denkt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, dass er krank ist. Auch Navids Mutter merkt schnell, was los ist. Sie will ihren Sohn beschützen und bittet ihn deswegen, die Familie zu verlassen, um einer Ächtung und eventuellen Gefährdung der Familie zu entgehen. Der Titel des Films: Nach Schwarz kommt keine Farbe mehr.


Der Titel bezieht sich auf ein iranisches Sprichwort, das so viel bedeutet wie: Es ist viel passiert, man hat viel erlebt und jetzt muss man irgendwie damit leben. Asadeh Khakban hat sich diesen Titel ausgedacht. Die 22-jährige Dortmunderin mit iranischen Wurzeln hat auch das Drehbuch geschrieben.

Das ist der Trailer von Nach Schwarz kommt keine Farbe mehr

Asadeh liebt das Land ihrer Eltern, will sich aber mit den dort geltenden Zuständen nicht abfinden. Denn hier steht Homosexualität nach wie vor unter Todesstrafe. „Es läuft einfach viel falsch im Iran“, sagt sie. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen Lukas Brandes und Leonie Scheuffler ist sie auf die Idee gekommen, das Thema Homosexualität aufzugreifen.

Homosexuelle werden weltweit verfolgt

Erste Recherchen offenbarten, wie heftig das Problem ist. „Es war viel krasser als wir es erwartet hätten“, so Asadeh. Sie will aber nicht nur auf die Zustände im Iran aufmerksam machen, sondern auf die weltweite Verfolgung von Homosexuellen. Die Schauspieler im Film sprechen deshalb auch Deutsch. Gedreht wird in Italien und Dortmund.

„Für mich war es wichtig, dass die Leute den Film sehen und sagen: Darüber möchte ich mehr erfahren“, so die Drehbuchautorin. Zu Recherchezwecken ist das kleine Filmteam deshalb im November in den Iran gereist. Schließlich soll die Stimmung im Film passen. Lukas ist beispielsweise für den Ton zuständig und konnte vor Ort erleben, wie die Wüste klingt (komplett still) oder wie unterschiedlich sich der Wind in Dortmund und im Iran anhört. „Das ist ein wunderschönes Land mit ganz tollen Menschen. Dieses Land hat uns jeden Tag, an dem wir da waren, überrascht“, sagt Asadeh.

Proteste im Iran zeigen, wie wichtig der Film ist

Für sie war es nicht der erste Besuch im Heimatland ihrer Eltern. Für ihre beiden Kommilitonen allerdings schon. Und die waren begeistert von der Mentalität und der Landschaft. Trotzdem haben die Studenten nie vergessen, was alles falsch läuft. Der Kurzfilm aus Dortmund wurde quasi durch die realen Ereignisse eingeholt. Seit Ende Dezember gehen dort die Menschen auf die Straße. Zwar ist zurzeit nicht ganz klar, wofür oder wogegen die Menschen demonstrieren. Eines aber eint sie: So wie es momentan ist, kann es nicht bleiben.

„Ich möchte, dass die Menschen durch den Film auf den Iran aufmerksam gemacht werden. Es nimmt uns jetzt ein bisschen die Arbeit ab, weil durch die Proteste das Bewusstsein ein ganz anderes ist“, sagt die 22-Jährige.

Crowdfunding soll Geld für den Film einbringen

Der Film wird als Bachelorarbeit eingereicht. Und er kostet eine ganze Menge Geld. Deshalb haben die Studenten eine Kampagne bei Startnext ins Leben gerufen und hoffen, per Crowdfunding mindestens 6.000 Euro sammeln zu können. „Das ist nur ein Bruchteil von dem, was wir brauchen“, sagt Marco Huppertz, der das Team bei der Bachelorarbeit als Produktionsleiter unterstützt. Die Studenten bekommen außerdem Geld von der Fachhochschule und haben sich um Förderung der Filmstiftung NRW beworben.

11 Tage lang soll insgesamt gedreht werden. „Für mehr reicht leider das Geld nicht“, sagt Asadeh lachend. Ein Teil der Dreharbeiten findet in Italien statt. Hier haben die Studenten eine Kleinstadt gefunden, die wohl genau so auch im Iran stehen könnte. Gedreht wird aber auch im Studio der Fachhochschule. Im Februar und März wird gedreht, danach beginnt die Post-Production.

Mitmachen kann man beim Crowdfunding schon ab fünf Euro. Dafür gibt’s einen Sticker und die Erwähnung im Abspann. Für 6.000 Euro wird man als Ko-Produzent geführt. Hier kommt ihr zur Crowdfunding-Kampagne. Das Crowdfunding ist noch bis zum 21. Januar offen, bisher sind schon 4.140 Euro zusammengekommen. (Stand 8. Januar)

Kommentare

ANZEIGE
Querschenker Banner