Dienstag, 22. Mai 2018

Das Theodor-Fliedner-Heim an der Wittekindstraße ist seit 1925 ein Zuhause für ältere Menschen. Zum einen als Seniorenheim und seit 2007 gibt es hier Seniorenwohnungen. Nun soll es als Apartmenthaus für Studenten genutzt werden.

Wohnraum für Studenten ist in vielen Städten mit einer Universität oder Fachhochschule immer wieder ein brisantes Thema. Und auch in Dortmund ist es für die über 51.000 Studierenden nicht so einfach, ein bezahlbares WG-Zimmer geschweige denn eine Wohnung zu finden. Teile des ehemaligen Seniorenheims Theodor-Fliedner wurden nun zu kompakten Wohnungen für Studenten umgestaltet.

Ein-Raum-Apartments für Studenten


Bereits 2007 wurden das Hauptgebäude und das Seniorenheim an einen neuen Träger abgegeben und zu großzügigen Wohnungen für Senioren umgewandelt. Im
„Objekt Wittekindstraße 98“ warten auf die neuen Bewohner nun acht Studenten-Apartments pro Etage mit ungefähr gleicher Größe. Die Studenten erwarten Ein-Raum-Apartments, in denen der Schlaf- und Wohnraum ineinander übergehen. Statt einer Küche gibt es eine kleine Kochnische. Dafür verfügt jede Einheit nun über ein eigenes Badezimmer mit Toilette und Dusche.

Die Geschichte des unter Denkmal stehenden Apartmenthauses reicht bis in die Anfänge des vergangenen Jahrhunderts zurück: Bereits 1902 kaufte der Evangelische Verein für Altersversorgung ein Wohnhaus in der Dortmunder Nordstadt an der Leopoldstraße. Hier sollte das erste evangelische Altersheim Dortmunds entstehen. Geplant war jedoch, ein neues moderneres Gebäude zu bauen, für das man 1903 ebenfalls ein geeignetes Grundstück erwarb. Durch Spenden, Stiftungen und Legate sammelte man in den folgenden Jahren so viel Vermögen an, dass 1914 die Realisierung der Neubaupläne in greifbare Nähe rückte.

Man könnte schlechter wohnen als Student: hier eine Teilansicht des denkmalgeschützten Theodor-Fliedner-Heims an der Wittekindstraße 98-102. Quelle: Wikimedia

Neubau am Rande des Volksparks ab 1924

Allerdings war gerade der erste Weltkrieg ausgebrochen, sodass man erst ab 1924 – nach Einführung der Rentenmark – wieder an einen Neubau denken konnte. Hierfür erhielt der Evangelische Verein von der Stadt Dortmund neben einem günstigen Baudarlehen im Tausch ein baureifes Grundstück am Rande des neuen Volksparks südlich der B1.

Das nach dem Pfarrer und Sozialreformer Theodor Fliedner (1800-1860) benannte Altersheim an der Wittekindstraße fügte sich mit einem großen Obst- und Gemüsegarten sowie Parkanlagen, „in denen die Alten sich ergehen und ihr Plauder- oder Schlummerstündchen halten“ konnten, gut in den Volkspark ein. Innerhalb eines Jahres konnte man die Bauarbeiten an dem in Backstein ausgeführten Gebäudekomplex zügig abschließen, sodass im Oktober 1925 die offizielle Einweihung stattfand.

Theodor-Fliedner-Heim im neuen Gebäudekomplex

Nach 75 Jahren entsprach das ehemals moderne Heim jedoch nicht mehr den
Anforderungen einer zeitgemäßen Seniorenpflege. Deshalb verlegte
man im Jahr 2000 den Betrieb in einen neu errichteten Gebäudekomplex in die dahinterliegende Parkanlage, wo das Theodor-Fliedner-Heim auch heute noch geführt wird. Die Stadt Dortmund machte die Wittekindstraße 98 übrigens zum Denkmal des Monats Januar.

Kommentare

ANZEIGE