Freitag, 20. Juli 2018

Die Messe ist gelesen: Dortmund bekommt eine neue Party-Location! Und die ist ausgerechnet in einer entweihten Kirche, mitten in Dorstfeld.

Dortmund – Noch sieht sie irgendwie verlassen aus, die künftige Eventkirche an der Hochstraße in Dorstfeld. Vorne eine ganze Reihe von Gleisen, hinten noch viel mehr Gleise. Wenn es hier wild hergehen sollte, werden es zumindest nicht viele mitbekommen.


„Hier kann man tatsächlich die Sau rauslassen“, sagt Thomas Förtmann. Der 32-Jährige treibt derzeit das Projekt Eventkirche für den Castrop-Rauxeler Investor MediBau voran, will im Juni dieses Jahres schon die ersten Veranstaltungen hier nach Dorstfeld holen.

Die Mega-Disco, sagt er, wolle man zwar nicht aus der Kirche machen, aber Hochzeitsfeiern, Tagungen, Firmen-Events, Konzerte, das sei alles vorstellbar. „Wir wollen hier einfach ein eventtaugliches Gebäude hinstellen und wenn hier eine Firma ein Seminar zum Thema ‚Wie rolle ich eine Zigarre‘ machen will, dann soll das so sein.“ Soll heißen: Hauptsache die Bude wird gebucht.

Umbau zur Eventkirche steht an

Bis es so weit ist, baut das Unternehmen aber noch kräftig um. Die Außenfassade der Kirche, das sei versichert, wird aber nicht angetastet. „Wir werden sie nur schön anstrahlen, dass man sie vom U-Turm auch sehen kann“, sagt Förtmann. Alles weitere sei aufgrund der hohen Denkmalschutz-Auflagen sowieso nicht drin.

Thomas Förtmann ist Projektmanager für die Eventkirche in Dortmund. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Thomas Förtmann ist Projektmanager für die Eventkirche in Dortmund. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Dafür wird innen dann schon eher angepackt: Neuer Fußboden, eine frische Farbe an die Wände, im linken Seitenschiff wird eine Bar stehen, im rechten Schiff das Buffet, das von einem Caterer auf Wunsch geliefert wird. Das war es auch schon fast. Und dann müssen da noch ein paar Dinge raus aus der Kirche. Der Altar zum Beispiel und eine Petrus-Statue. Und die historische Orgel (Wert: 1 Million Euro) wird in eine Kirche nach Gronau versetzt.

Dafür, dass es im Vorfeld ein ganz schönes Bürokratie-Gewusel mit den verschiedensten Behörden gegeben hat, verging die Zeit von der Idee bis zur Umsetzung recht schnell. Im Oktober 2015 wurde dem Investor von Seiten der Kirche der Bau angeboten. Etwa ein Jahr später, im Herbst 2016, waren die Verträge unterschrieben. Und im Juni, so Gott es will, soll hier dann die erste Veranstaltung stattfinden.

Gemeinde ist erleichtert

Für die Evangelische Elias Gemeinde ist das ein Segen. Etwa 70.000 Euro an Unterhaltskosten, verrät Pfarrer Christian Höfener-Wolf, spare man sich durch die Abgabe der Kirche. Und das Grundstück an sich bleibe im Besitz der Gemeinde.

Und wie wird die Eventkirche unter den Gemeindemitgliedern angenommen? „Die Resonanz ist recht positiv, auch wenn viele traurig sind, dass es bald die Kirche als solche nicht mehr gibt.“ Angst, dass das entweihte Gotteshaus für unwürdige Sauforgien missbraucht werden könne, hat Pfarrer Höfener-Wolf nicht. „Es ist ärgerlich, wenn so eine Eventlocation auf betrunkene Menschen reduziert wird“, sagt er. Und selbst wenn auf manchen Veranstaltungen einer über den Durst getrunken würde, dann wäre das auch nicht so schlimm. „Schließlich wird ja auch in der Kirchengemeinde mal getrunken.“

Wichtig für die Gemeinde ist, sagt der Pfarrer, dass dir Kirche als Raum für die Menschen erhalten bleibe. „Die Alternative wäre gewesen, die Kirche verfallen zu lassen.“

Info: Wer sich für die Eventkirche interessiert und sie für eine Veranstaltung mieten möchte, kann auf der Homepage von „Eventkirche Dortmund“ Kontakt mit den Betreibern aufnehmen.

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