Donnerstag, 14. Dezember 2017

34.616 Studierende gibt es jetzt an meiner Uni. Das ist Rekord. Doch was bringen Rekordzahlen, wenn darunter der Unialltag leidet? Überfüllte Mensen, keine Parkplätze mehr ab 10 Uhr, Rangeleien in der Bibliothek – das sind nur Auszüge meines stressig gewordenen Studentinnenalltags. Die TU Dortmund, so scheint es mir, ist an den Rand ihrer Kapazitäten gekommen.

Irgendein Morgen unter der Woche und ich bin auf dem Weg nach Dortmund-Barop. Hier liegt zwischen dem Vogelpothsweg und der Emil-Figge-Straße die Technische Universität Dortmund. Bereits in der Autobahnausfahrt lässt sich erahnen, was mich heute erwartet: Ein überfüllter Parkplatz, lange Schlangen vor jeglichen Essensausgaben und Gedränge in fast allen Gängen. Als ich letztes Jahr mein Studium begonnen habe, sah das alles doch noch ganz anders aus.

Die TU Dortmund / Uni Dortmund / Universität Dortmund. Foto: von Tuxyso / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Die TU Dortmund. Aus der Luft wirkt sie friedlich, doch unten herrscht Massenandrang. Foto: von Tuxyso / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Zur TU Dortmund wollen viele Abiturienten

Dortmund ist ein attraktiver Standort zum Studieren. Gute Anbindungen an das Verkehrsnetz, günstige Wohnungen und – für Studierende besonders wichtig – viele Ausgehmöglichkeiten. In der City herrscht eine hohe Dichte an Clubs und Bars. Das wollen die angehenden Akademiker. Für mich war das nicht ausschlaggebend, ich habe nach dem passenden Fächerangebot gesucht. Meinen gewünschten Studiengang gab es nur an der TU.

„Die Nachfrage nach Studienplätzen an unserer Universität ist ungebrochen“, sagt Prof. Ursula Gather, Rektorin der Universität. Sie bringt es auf den Punkt. Es ist jedoch nicht nur das Interesse, das ungebrochen ist, sondern auch die Besucheranstürme in den Gebäuden. Wenn ich in die Hauptmensa gehe, dann am besten nicht vor 13 Uhr. Denn sonst würde ich in einer Schlange landen, die einem Check-In am Düsseldorfer Flughafen gleicht. Außerdem wäre das Essen am Tisch, insofern man den einen bekommt, längst kalt. An den Kassen geht das Flughafen-Feeling schließlich weiter.

Ein mitgebrachtes Brötchen ist vielleicht die bessere Option, wenn es in der Mensa zu voll wird. Foto: Daniel Karmann/dpa

In der Bibliothek sind ruhige Plätze rar geworden. Will man Ruhe, so wie ich es mir beim Lernen wünsche, ist der heimische Schreibtisch bestimmt die bessere Option. Da gibt es auch kein Gedränge, wie es in den meisten Foyers der Fall ist. Vor allem die Emil-Figge-Straße 50 (EF 50) ist voll wie eh und je. Sie ist Heimatort aller Geisteswissenschaften, Kulturwissenschaften und Lehramtsstudiengänge. Und ab jetzt wohl auch von gefühlt tausend Studenten mehr.

Ist der Andrang nur ein Gefühl oder Realität?

Fakt ist, dass dieses Jahr 381 mehr neue Studenten an der TU Dortmund eingeschrieben sind als im Vorjahr. Eine Zahl, die eigentlich viel zu gering erscheint, um derartige Studentenschwemme auszulösen. Doch warum kommt es mir dann so unglaublich voll vor?

Das liegt wahrscheinlich daran, dass einfach grundsätzlich immer mehr Menschen an die Uni kommen und die Kapazitäten schleichend an den Rand des Möglichen treiben. Vor zehn Jahren, als ich nur im Entferntesten ans Studieren dachte, gab es 21.540 Jungakademiker an der TU. Das waren rund 13.000 weniger als dieses Semester. Warum ist das so? Weil junge Leute immer öfter studieren wollen und ihr Abitur machen. Eine Ausbildung ist dann nur zweite Wahl, immerhin verspricht ein Hochschulabschluss auf den ersten Blick ein höheres Einkommen und oft eben auch – ein höheres Ansehen.

Immer häufiger wollen Schulabgänger studieren. Die Unis kommen dadurch schnell an ihre Grenzen. Foto: Oliver Berg

Was noch dazu kommt, ist die Tatsache, dass das Semester eben erst begonnen hat. Da kommen Studierende noch deutlich regelmäßiger zur Uni, als im fortschreitenden Semester. Das habe ich auch in den Seminaren gemerkt. Da saßen wir oft zu Beginn in viel zu kleinen Räumen mit viel zu vielen Leuten. Als Konsequenz wechselte der Dozent den Raum. Heute sitzen wir in viel zu großen Räumen mit zu wenigen Leuten.

Abwarten bis viele Zuhause bleiben

Doch noch ist es trotzdem unglaublich voll hier. Kommt etwa die berühmt-berüchtigte S1 an der Uni an, trifft man auf Massen hetzender Studenten. Wenn ich mir dann vorstelle, wie die alle in einer Bahn stehen… bin ich doch froh, mein Auto zu haben. Immerhin bekomme ich bis 10 Uhr noch einen Parkplatz – leider ungünstig, dass meine Veranstaltungen oft erst danach anfangen. Bis meine Kommilitonen lieber Zuhause bleiben als in die Uni zu gehen, wird es bestimmt noch ein paar Wochen dauern. Bis dahin bin ich genervt vom Studentenrekord und kaufe mein Essen nur noch zu geplanten Uhrzeiten und erledige meine Arbeiten von Zuhause.

Die Hörsäle deutscher Universitäten sind schon jetzt bis auf den letzten Platz belegt. Viele Vorlesungen werden daher in andere Gebäude verlegt, die nicht zu den Unis gehören. Foto: dpa

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