Sonntag, 19. November 2017

“Dortmunder Arbeitsmarkt erneut mit Rekordwerten”, schreibt die Wirtschaftsförderung Dortmund über die Beschäftigungszahlen von 2017. Die seien so hoch wie noch nie. Das stimmt, aber das sagt noch nichts über die Art der Jobs aus, die die Dortmunder haben. Wir haben genauer hingeschaut.

Immer mehr Menschen in Dortmund haben eine Arbeit. Das zeigen die Beschäftigungszahlen von 2017, die die Bundesagentur für Arbeit vor Kurzem veröffentlicht hat. Sie entstammen dem Regionalreport über Beschäftigte, der die Daten aus März 2017 enthält. Waren vor zehn Jahren im Jahr 2007 noch etwa 190.000 Menschen in Dortmund sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sind es 2017 schon circa 231.000. Also 40.000 Menschen, umgerechnet 18 Prozent, mehr.

“Eine neue Rekordmarke”

Auch im Vergleich zu 2016 hat die Beschäftigtenzahl in Dortmund ordentlich zugelegt. Ungefähr 8100 Menschen mehr sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt als vor einem Jahr, ein Plus von 3,7 Prozent. Laut der Wirtschaftsförderung Dortmund ist das “eine neue Rekordmarke für einen Jahreswert”.

Die Arbeitsagentur vermeldet, dass der Beschäftigtenzuwachs in Dortmund größer ist als im NRW- und Bundesdurchschnitt. In NRW lag er bei 2,2 Prozent, bundesweit bei 2,4 Prozent. “Dortmund bleibt auch 2017 auf Wachstumskurs”, sagt Martina Würker, Vorsitzende der Agentur für Arbeit Dortmund.

Martina Würker wird neue Chefin der Agentur für Arbeit Dortmund. Foto: Agentur für Arbeit Dortmund
Martina Würker ist die Chefin der Agentur für Arbeit Dortmund. Foto: Agentur für Arbeit Dortmund

Die anhaltend steigende Beschäftigung sei ein starkes Signal auch für den Dortmunder Arbeitsmarkt. Würker: “Der Wirtschaftsstandort Dortmund entwickelt sich. So gibt es auch 2017 zahlreiche Unternehmensansiedlungen und -erweiterungen, die neue Arbeitsplätze schaffen. Wir werden alles daran setzen, dass auch Arbeitslose an dieser guten Entwicklung teilhaben“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund. Die Arbeitslosigkeit in Dortmund war zuletzt auf elf Prozent gesunken.

Wo ist der Haken?

Das hört sich doch alles positiv an – wo ist also der Haken? Das Problem zeigt sich dann, wenn man die Art der entstehenden Jobs ansieht. Von den ungefähr 8136 neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen sind 3333 in Vollzeit und 4815 in Teilzeit. Es sind also deutlich mehr Teilzeitjobs entstanden als Vollzeitstellen. Mehr noch: Zwischen September 2016 und der letzten Messung im März 2017 hat die Zahl der Vollzeitstellen sogar abgenommen – um mehr als 1000 Jobs. Im gleichen Zeitraum hat die Zahl der Teilzeitjobs um mehr als 1000 zugenommen. Auf dem Papier wurden damit Vollzeit- durch Teilzeitstellen ersetzt. Spricht das für einen guten Arbeitsmarkt?

Die Entwicklung, dass immer mehr Menschen in Teilzeit arbeiten, hat schon vor Jahren begonnen. Im Vergleich zu 2007 arbeiten in diesem Jahr etwa 15.000 Menschen mehr in Vollzeit – gleichzeitig sind es etwa 28.000 mehr in Teilzeit. Innerhalb von zehn Jahren entstanden demnach fast doppelt so viele Teilzeitstellen wie Vollzeitjobs.

Dass Teilzeitjobs zunehmen, ist natürlich nicht nur eine Entwicklung in Dortmund. Auch bundesweit und in NRW arbeiten immer mehr Menschen in Teilzeit. Aber der Vergleich zeigt, dass die Teilzeitarbeit in Dortmund besonders stark zunimmt. Von 2016 auf 2017 stieg die Zahl der Teilzeitstellen in Dortmund um 8,0 Prozent, in NRW um 4,6 Prozent und bundesweit um 4,5 Prozent.

Die Entwicklung zeigt, dass die Teilzeitstellen in Dortmund besonders stark zunehmen. Gleichzeitig hat Dortmund zwischen September 2016 und März 2017 mehr als 1000 Vollzeitstellen verloren. Sie wurden faktisch zu Teilzeitstellen. Doch diese sind generell geringer bezahlt. Und wer weniger arbeitet, zahlt im Umkehrschluss weniger in die Sozialkassen ein. Für viele Teilzeitbeschäftigten könnte das im Rentenalter ein Problem werden, weil die Rente dann unter Umständen zu gering ausfällt.

Die Zahlen sind, wie die Vorsitzende der Agentur für Arbeit Dortmund sagt, “ein starkes Signal auch für den Dortmunder Arbeitsmarkt”. Aber nicht unbedingt ein gutes Signal.

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