Samstag, 18. August 2018

Was bietet Dortmund kulinarisch? Was ist neu, was noch unbekannt? Wir haben den Dortmunder Food-Blogger Benjamin Darius Bothe gebeten, an dieser Stelle in einer Kolumne neue Restaurants und Futterbuden zu testen.

Der Döner ist eine deutsche Erfindung. Und darüber, wie man ihn zubereitet, kann trefflich gestritten werden. In der „Döneria“, die im Klinikviertel eröffnet hat, soll neben der Brottasche mit Fleisch auch echt neapolitanische Pizza angeboten werden. Gelingt der Spagat?


Als allererstes, bevor ein Krieg ausbricht: Geschmäcker sind verschieden (gut so!) und jeder hat seine eigene Vorstellung wie ein Döner zu sein hat. Daher sei euch gesagt: Dies hier ist meine Meinung, größtenteils basiert sie auf objektiver Beobachtung. Wenn du also meinst, dass ein Döner ganz anders sein sollte, dann schreibe doch einen Kommentar und erzähle davon und lasst uns so eine „nette Diskussion“ abhalten. Es ist mir durchaus bewusst, dass es viele verschiedene Meinungen innerhalb der „Döner-Religion“ gibt.

Es wäre ja geradezu lächerlich oder sogar größenwahnsinnig, wenn man sich vornehmen würde, jede neueröffnende Dönerbude in Dortmund auszuprobieren und/oder darüber zu schreiben. Schließlich dürfte es in Dortmund kaum eine, nennen wir es „gastronomische Errungenschaft“, öfter geben als die Brottasche mit Fleisch.

Die Döneria findet ihr in der Amalienstraße 8 in der Innenstadt.

Versteht mich nicht falsch – ich hätte prinzipiell nichts dagegen dieses deutsche Gericht (denn in der Türkei isst das kein Mensch, eine deutsche Erfindung) jeden Tag zu verputzen. Doch es würde irgendwann vielleicht doch eintönig werden. Umso erfreulicher ist es, dass es mit „Dortmunds Döneria“ anders werden soll. Der Name gibt einen Hinweis: Am Freitag (9. Februar) hat in der Amalienstraße 8 in Dortmund, also am Rand des Klinikviertels, eine Fusion aus Dönerbude und Pizzeria eröffnet – die „Döneria“ eben.

Es ist zwar nichts neues, dass in manchen Dönerbuden auch Pizza oder Baguettes feilgeboten werden, doch bei Dortmunds Döneria soll es sogar laut eigener Aussage original neapolitanische Pizza geben! Okay, das ist eine Ansage und wird sicher nicht leicht zu halten sein – in folgendem Bericht kläre ich euch auf, ob denn diese Fusion geglückt ist, und ob es zukünftig weniger Streitigkeiten gibt, wenn Freund A Döner essen möchte, und Freund B Pizza.

Dortmunds Döneria

Die Döneria liegt quasi hinter dem Bergmann-Bier-Steh-Kiosk (unbedingt das Bergmann „Schwarz“ probieren!), also fast direkt am Wall und ist so gut zu Fuss von der Innenstadt zu erreichen. Mit kleinem Schlenker auch auf dem Weg zum Dortmunder U oder dem FZW vom Zentrum aus. Die Lage sei mit Bedacht gewählt so erzählte man mir (wer würde schon sagen: „Sonst gab es keine freien Immobilien“?).

Gar nicht so blöd ist die Lage auf jeden Fall, denn in der Innenstadt wäre es beinahe Selbstmord, eine weitere Dönerbude zu eröffnen. Auf Facebook wurde bereits dezent die Werbetrommel gerührt, so dass auch ich dadurch erst auf die Döneria aufmerksam wurde. Ich darf zitieren:

„Am 09. Februar ist es endlich soweit und wir eröffnen Dortmunds erste und einzige Döneria. Besucht uns und lasst euch begeistern von unserer überragenden Qualität. Ob ein leckerer Döner aus 100%igem Jungbullenfleisch, oder eine originale neapolitanische Pizza, die in ihrer Art besser nicht sein kann. Diese und viele andere Leckereien erwarten euch in Zukunft bei uns.“

Okay, man sollte aufpassen, dass man nicht in Schnappatmung verfällt: „begeistern“, „überragenden Qualität“, „original“, „100%“. Schöne Adjektive helfen seit jeher, den potentiellen Kunden zu überzeugen, einen aufzusuchen. Denn wer will schon nur einen „Döner“, wenn er einen „super leckeren hausgemachten Döner“ haben kann…?!

Kalb oder Huhn?

Ob „Jungbullenfleisch“ nun wirklich so toll ist, lass ich mal offen. Allgemein gilt dieses Fleisch eher als geschmacklich „nicht so gut“, da es fettarm ist und aufgrund dieser Tatsache nicht überzeugen kann. So sagt man. Für Fitness-Fans daher nicht verkehrt (die essen aber keinen Döner).

Normalerweise gehört in einen „echten“ Döner auch Kalb, soweit ich weiß. Das steht nun wiederum auch auf der Speisekarte in der Döneria selbst. Ja was denn nun? Kalb? Jungbulle? Taube? Letztlich ist es wohl eine Mischung aus Jungbulle und Kalb so sagte man mir. Die Würzung sei das besondere, so hieß es. Aha (auch hier: wer würde sagen: „Unser Fleisch ist nicht so gut“?!). Leider gibt es kein Hähnchenfleisch, welches ich persönlich sehr gerne esse. Es ist zumeist saftig und stückig und nicht dieses „zerwolfte“ Fleisch wie es Kalbfleisch beim Döner oft ist. Nun ja, so viel zu den groben Eckdaten des Essens.

Döneria in Dortmund. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf
Döneria in Dortmund. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf

Die Einrichtung ist spartanisch, aber so ist das bei Dönerbuden zumeist. Im Sommer soll es wohl eine Sonnenterrasse geben und auch Cocktails, um etwas Abwechslung zu bieten. Ich persönlich finde, hier sollte man etwas „bodenständiger“ bleiben und sich auf Ayran & Co. beschränken (den es natürlich gibt). Aber hier soll jeder selbst urteilen.

Der „Pizzaofen“ ist jedenfalls nicht irgendwie „neapolitanisch“ soweit ich das beurteilen kann – so einer steht in jedem Imbiss der Pizza, Baguettes & Co anbietet.

Was aber wirklich neapolitanisch ist: Der Pizzabäcker. Man sieht es ihm an und man hört es – der kommt aus Neapel oder zumindest Italien. Ich finde es in der Gastronomie immer gut, wenn das Personal auch „von da“ kommt. Natürlich kann ein Deutscher auch geniale Pizza machen, aber wenn man weiß, dass der Pizzabäcker Italiener ist, dann ist das diese kleine psychische Komponente die man im Hinterkopf hat und das Essen etwas authentischer macht, zumindest vordergründig.

Die Bestellung

Ich bestellte eine Pizza Margherita, denn nur an den einfachen Speisen kann man deren Qualität wirklich beurteilen. Klopapier mit doppelt Käse schmeckt schließlich auch – ihr versteht was ich meine. Wenn ich einen Burgerladen teste, nehme ich auch immer den „Cheeseburger“ ohne viel Klimbim.

Döneria in Dortmund. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf

Die Pizza wurde NICHT neapolitanisch direkt im Holzofen gemacht, was hier kein Vorwurf ist. Das kann man in Deutschland kaum verlangen und würde sich vermutlich kaum rentieren. Die Zubereitung in der Blechform hingegen ist dann doch etwas… „naaajaaaaa….“ voll unneapolitanisch, aber wenigstens ist die Pizza so perfekt rund 😉

Der Teig wird angeblich über viele Stunden gären gelassen, was tatsächlich wichtig ist für das Aroma des Teigs und die feine Porung. Diese war dann tatsächlich auch gegeben.

Exkurs: Die Hefe im Teig, übrigens ein Pilz (für die Nerds: ein Eukaryot wie wir es sind), arbeitet bei kalten Temperaturen viel langsamer als beim Optimum von 24 Grad Celsius. Dadurch kommt aber eben der typische Geschmack und die Porung. Langsame Gärung ist also durchaus ein Prädikat für Qualität, denn Zeit kostet Geld.

Der Pizzaboden war super! Nicht wie in Neapel, wo eher ein dünner Boden gemacht wird, aber er war trotzdem super knusprig-kross am Rand, durchgehend gut gebacken ohne in der Mitte labberig zermatscht zu sein, hatte eine tolle Bräunung und schmeckt tatsächlich richtig gut! Ich war dezent überrascht!

Pizza in der Döneria. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf

Die Tomatensauce war recht dezent, aber gerade deswegen schmeckte sie mir. Leicht süßlich und gut dosiert. Der Käse hätte für meinen Geschmack weniger sein können, da er den tollen Geschmack von Boden und Sauce damit etwas überdeckte. Fans von Käse werden dafür definitiv glücklich. Die Portionsgröße war aufgrund des recht dicken Bodens ordentlich und der Preis von 4,50 € war geradezu lächerlich günstig dafür. Super Preis-Leistung.

Die nicht-neapolitanische Pizza (vom Neapolitaner zubereitet) dürft ihr sehr gerne ausprobieren!

Die Pizza: groß, knusprig, lecker und preiswert. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf

Der Döner

Nun kommen wir zur zweiten Königsdisziplin von Dortmunds Döneria: Dem Döner.

Da Eröffnung war, wurde etwas zum probieren angeboten und als ich die Döneria betrat, wurde mir direkt das Fleisch in die Hände gedrückt. Es schmeckte durchaus. Rechts saftig, aber eben dieses dünne streifige Fleisch, was ich persönlich nicht so gut finde. Soweit ich weiß ist das aber so wie es eigentlich sein soll (wobei es hier bestimmt auch viele Sagen und Legenden gibt, wie der „echte Döner“ zu sein hat).

Nachdem ich einen Teil der Pizza probiert hatte – der Rest wurde mit nach Hause genommen – musste ich natürlich den Döner probieren. Der war wie man es liebt: super schnell fertig und mit Salat und Saucen optisch ein Leckerbissen. Döner eben, da kann man kaum was falsch machen.

Bei den Toppings beschränkt man sich auf das Wesentliche. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf

Leider hat das Fleisch inzwischen schon ein paar Umdrehungen zu viel gehabt, so dass es nicht mehr so saftig und zart war, sondern trocken. Ich denke hier darf man aber dem Betreiber keinen Vorwurf machen, weil solche „Erfahrungswerte“ erst nach ein paar Tagen kommen, der Laden hat ja gerade erst eröffnet. Das Fleisch direkt vom Spieß, als ich reinkam, war wie erwähnt okay, aber ich persönlich bin kein Freund von Kalb und mir fehlten ein paar Röstaromen. Schade, dass es kein Hähnchen gibt. Es hieß aber, man schaue „wie es läuft“ und führt das gegebenenfalls auch ein.

Die „scharfe“ Sauce ist übrigens wirklich scharf – nichts für Luschen, aber noch essbar. Bei „Toppings“ für den Döner bleibt man beim „traditionell“ – Salat eben. Das Brot war knusprig angebacken, wobei ich es schon fast zu dick fand. Ich finde diese eckigen dünnen richtig knusprigen Fladenbrote besser als diese ovalen Taschen – wie seht ihr das? Wie muss für euch das perfekte Brot für einen Döner sein? Und wie sieht es beim Fleisch aus? Hähnchen? Kalb? Oder doch lieber McDonalds?

Döneria in Dortmund. Foto: Benjamin Darius Bothe/FoodLoaf

3,50 Euro für den Döner – ein gewohnt niedriger Preis. Nirgends wird man für weniger Geld besser satt, außer man kauft sich ’n Laib Brot und knabbert da dran (dann aber bitte von „Fischer am Rathaus“ in der Innenstadt).

Fazit: Wenn ihr super Pizza haben wollte, Kalbsdöner und schmale Preise, dann solltet ihr die Döneria einmal aufsuchen. Passt aber auf, dass das Fleisch immer frisch runtergeschnitten wird und bevor euer Döner befüllt wird nicht zu „trockengelaufen“ ist.

4/5 aufgrund der klasse Pizza, welche den meiner Meinung nach zu schwachen Döner sehr gut auffängt.

 

Amalienstraße 8
44137 Dortmund

Öffnungszeiten: Täglich: 11.30 bis 22.00 Uhr (bei Heimspielen von Borussia Dortmund voraussichtlich länger)
www.dortmundsdoeneria.de
info@dortmundsdoeneria.de
https://www.facebook.com/dortmundsdoeneria/

Der Blogger

Benjamin Darius Bothe von Foodloaf.com

Benjamin Darius Bothe kommt aus Dortmund und schreibt auf seinem Blog „Food Loaf“ über Essen, Fitnessprodukte und Restaurants. Angefangen hat alles mit Eis-Tests auf Youtube. Außerdem ist Darius Biochemiker. Deshalb weiß er ganz genau, warum die Hefe im Pizzateig aufgeht und das Bier so schön perlt.

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