Mittwoch, 25. April 2018

Was bietet Dortmund kulinarisch? Was ist neu, was noch unbekannt? Wir haben den Dortmunder Food-Blogger Darius von Foodloaf gebeten, an dieser Stelle in einer Kolumne neue Restaurants und Futterbuden zu testen.

Tja manchmal hat man eben einfach keinen Plan. So ist es bei den letzten beiden Restaurants, welche ich besucht habe, gewesen. Nicht nur, dass ich die grandiose Webers Rippchen Braterei mein ganzes Leben nicht kannte, nein, ich kannte auch Mr. Pizza nicht.


Dort gibt es Pizza wie in Italien, so hieß es. Wohlgemerkt Pizza Napoletana (dicker Rand, innen weicher), denn auch in Italien gibt es teils unterschiedliche Arten.

Nun, wie sich nachher herausstellte ist diese „echt-italienische“ Zubereitungsart erst seit ein paar Monaten in der Mache bei Mr. Pizza, doch existiert dieser Laden wohl bereits seit 22 Jahren (die Lütgendortmunder dürften es also kennen). Entsprechend war diese Pizzeria vielleicht bisher nicht soooo relevant für mich – „normale“ Pizzerien gibt es ja an jeder Ecke und viele auch seit Jahren, daher war diese Pizzeria wohl auch weniger populär über den Stadtteil hinaus.

Mr. Pizza im Foodloaf-Video-Test

Ich wurde über meinen Facebook-Blog informiert und man klagte mir sein Leid, wie sehr wir hier in Deutschland die italienische Pizza, nennen wir es mal missbrauchen. Gouda Käse, knatschiger Teig, Dönerfleisch – alles Mist eben. Der Informant meinte, ich solle mal zu Mr. Pizza gehen denn dort würde alles sehr authentisch wie in Italien zubereitet werden. Abwarten.

Die Bilder der Pizzen bei Google Maps haben mich dann direkt überzeugt. Also habe ich meine Sachen gepackt und meinen Hintern von der wohlverdienten Couch gehoben, um eine Tour gen Westen zu machen. Ich hatte eh Rückenschmerzen vom zu vielen Sitzen (ein gutes Zeichen für die „totale Rumbimmelei“ und dafür, dass ich tatsächlich nichts gemacht habe), daher konnte etwas Bewegung dann doch ganz gut tun. Zwar müsste ich mich strenggenommen eher Richtung Süden aufmachen, statt Westen, um nach Italien zu kommen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein: Lütgendortmund ist auch okay. Nur nach Paris bin ich extra mal wegen Croissants mit Erdbeermarmelade geflogen, aber das ist eine andere Geschichte …

Wie üblich der Hinweis: Alles meine Meinung. Wer meint, die Pizza sei Mist, der schreibe es doch in einen Kommentar. Wer meint, bessere Pizza zu kennen, der teile mir und Dortmund24 doch auch das in einem Kommentar mit. Und wer meint, ich habe keine Ahnung, dann soll mir das auch recht sein. Viel Spaß mit dem Bericht!

Mr. Pizza – die Lokalität

Mitten in Lütgendortmund, ganz tief im Westen, fast in Bochum und zentral in der Provinzialstraße gelegen, welche nicht gerade einladend ist, liegt Mr. Pizza. Seit 22 Jahren Familienbetrieb, doch vermutlich erst zuletzt durch die Umgestaltung des Sortimentes mehr in den Fokus gerückt, zumindest für mich. Sicherlich kann man 22 Jahre nicht existieren wenn man keine gute „normale Pizza“ macht, aber ich persönlich bin kein Fan der Standard Pizza, so ganz im Allgemeinen gesprochen.

Mr. Pizza in Lütgendortmund. Foto: Darius/FoodLoaf

Exkurs: Ich kann euch allerdings eine echt grandiose „nicht-wie-in-Italien“-Pizzeria empfehlen: Joe’s Pizza! Der Boden war super, es war viel Käse drauf und sie war richtig groß (es war nur ein Stück!). Diese Pizzeria ist nur leider mitten in New York (tatsächlich hat selbst der Film „Spiderman“ in einer den beiden Filialen gespielt). 2014 war ich dort und der Laden wurde von mir mit fünf Sternen bewertet. Wenn ihr also mal in New York seid – geht zu Joe’s Pizza in der Carmine Street und holt euch ein „Slide“ (Pizzastück) – New York für die Kauleiste!

Mr. Pizza  ist spartanisch, aber zweckmäßig eingerichtet. Die dunklen Möbel passen, und haben etwa einen leichten Restaurant-/Bistro-Stil. Erwartet keine Schönheit, aber die hellen und großen Fenster machen den Laden freundlich. Kein Restaurant um schick mit dem Chef essen zu gehen, aber wie sich herausstellen wird, kann man Leute mit der Pizza begeistern. Das ist ja auch das, worauf es zumeist ankommt: der Geschmack. Es sei euch an dieser Stelle das „Sweet Chili“ in der Rheinischen Straße empfohlen. Außen pfui, innen pfui, Essen hui.

Die Einrichtung. Foto: Darius/FoodLoaf

Ich hatte mich im Vorfeld informiert und auch die Besitzer, die anwesend waren, ausgequatscht. Das Besondere sei wohl, dass der Pizzateig unter anderem bis zu 48 Stunden geht sowie die Verwendung des Fior di Latte, sprich echt italienischer Mozzarella sowie natürlich die Zubereitung. Reden kann natürlich jeder. Wer würde schon sagen, sein Produkt sei scheiße?! Aber anhand der Bilder kann man auch im Vorfeld durchaus beurteilen, dass die Pizza zumindest anders ist. Man riecht es auch, wenn man in den Laden reingeht. Gärt ein Teig über lange Zeit entwickelt sich ein besonderes Aroma – es riecht leicht säuerlich.

Fior di Latte schlägt sich im Preis der Pizza nieder. Foto: Darius/FoodLoaf

An manchen Tagen gebe es wohl auch den Original-Büffelmozzarella. Aber das ist nicht immer gegeben, da dieser sehr rar ist und nur selten direkt aus Italien importiert wird. Irgendwie so. So ganz kapiert habe ich das nicht, wovon es abhängt ob die den haben oder nicht. Wohl muss ich auch sagen, dass die selbst noch am Konzept der echt-italienischen Pizza rumbasteln. Es würde wohl bald eine neue Karte geben.

Ein Auszug der Speisekarte (veraltet, ohne die italienischen Pizzen, wird aktualisiert) Foto: Darius/FoodLoaf

Neben „italienischer“ und „deutscher“ Pizza gibt es natürlich auch Nudelgerichte und einige andere Speisen. Nun, man nehme es mir nicht übel, aber ich persönlich würde nicht für richtige Tellergerichte hingehen. Ich denke der Laden sollte sich da auf das Wesentliche konzentriere und ich denke das ist hier die Pizza. Aber mich fragt ja eh keiner.

Die Bestellung

Blablabla, soviel im Groben zu Mr. Pizza allgemein. Was nützt das alles, wenn die Pizza trotzdem nicht schmeckt? Also direkt eine Pizza Margherita – den Klassiker – bestellt. Denn hier gilt es, die wenigen richtigen und wichtigen Zutaten herauszuschmecken und bei der Zubereitung muss die Waage gehalten werden. Der Teig ist wichtig, die Soße ist wichtig, und dann noch der Käse. So mache ich es übrigens auch immer wenn ich Burger-Läden teste, dort wird immer ein Cheeseburger genommen – ohne Firlefanz.

Schwer beeindruckt war ich davon, wie schnell die Pizza fertig war. Es lag sicherlich daran, dass der Teig nicht sehr lange braucht, um durch zu sein. Innen ist die Pizza sehr dünn und außen dicker, aber locker-luftig, so dass sie schnell gar ist.

Etwa fünf Minuten nach meiner Bestellung war die Pizza da. Was soll ich euch sagen? Sie sah einfach göttlich aus, genau so stelle ich mir italienische Pizza vor.

Schneller kann man kaum eine komplett frische Mahlzeit bekommen. Foto: Darius/FoodLoaf

Zwar kam sie nicht aus dem 500 Grad heißen Holzfeuerofen, wie man ihn Italien hat, sondern nur aus dem kuscheligen 350 Grad Steinofen, aber das sah man der Pizza nicht an. Außen super luftig-lockerer knuspriger Boden der gebräunt war und einfach handgemacht aussah. Echt toll!

Der Süden auf meinem Tisch – man beachte die Farben der ital. Flagge. Foto: Darius/FoodLoaf

Die Soße hat die Pizza mittig zwar recht weich, fast schon matschig gemacht, möge manch einer sagen, aber ich würde sie eher als saftig bezeichnen. Durchgängig knusprig-dünn ist sie also nicht – der Unterschied zu vielen anderen Pizza-Arten. Die Sauce mit dem Käse verbindet sich auf dem Boden und weicht ihn auf, aber es ist ein toller Kontrast zum knusprigen Rand – mir gefällt das! Der Rand! Ach, manch einer lässt bei der Pizza den Rand weg – hier war er mit das Highlight.

Der Rand, großartig! Foto: Darius/FoodLoaf

Die Soße schmeckte großartig und war auf das Mindeste reduziert, Tomaten und Salz. Sie war etwas flüssiger als die Sauce die wir sonst kennen. Man meinte auch mir mitteilen zu müssen, dass die Tomaten nicht im Mixer zu lange zerkleinert werden, damit die Kerne nicht kaputt gehen und Bitterstoffe freigesetzt werden. Man denkt mit. Ich kann zwar nicht sagen ob das stimmt, wohl aber dass die Sauce echt super war. Eine angenehme Süße und guter, wenn auch nicht zu intensiver Geschmack nach Tomate.

Der Mozzarella war nicht, wie man es bei Käse sonst kennt, komplett auf der ganzen Pizza verteilt und klatschte alles zu, sondern war in Einzelstücken drauf. Als die Pizza heiß aus dem Ofen kam, hat er sich zu einer Creme mit der Soße verbunden. Einfach lecker.

Außen kross, innen saftig. Foto: Darius/FoodLoaf

Dies ist wahrlich die beste Pizza (neben der in New York), die ich je gegessen habe. Man schmeckt durch den Verzicht auf diverse Toppings (die es aber auch gibt, zum Beispiel Salsiccia und Pistazien-Mortadella) die wenigen sehr guten Zutaten optimal heraus. Es ist aber eine sehr milde Pizza. Die „deutsche“ Pizza wie wir sie meistens kennen, ist durch Gewürze, mehr Käse und Toppings intensiver und würziger.

Der Preis von acht Euro für die große 32-Zentimer-Pizza ist völlig in Ordnung, wenn man bedenkt, dass der Mozzarella direkt aus Italien angekarrt wird. Auch die lange Teigführung kostet Zeit, und damit Geld. Kommen noch Toppings drauf, kosten die Pizzen auch mal über zehn Euro – ebenfalls völlig okay. „Normale“ Pizzen („Pizzas“ ist übrigens grammatikalisch auch korrekt) sind günstiger, aber eben einfacher und günstiger zuzubereiten.

Ich kann euch nur empfehlen Mr. Pizza einmal auszuprobieren, wenn ihr mal eine wirklich italienische Pizza haben wollt. Oder auch einfach nur, weil man Morgens auch mal mit dem linken Fuß aufstehen sollte, statt immer nur mit dem rechten.

Und sonst?

Zwei Dinge gibt es allerdings, die ich kritisieren muss: Zum einen muss ich mich jetzt immer ins Auto setzen und zehn Kilometer beziehungsweise 20 Minuten fahren, um eine Pizza zu bekommen. Und zweitens hätten die Messer schärfer sein können.

Es sei nochmal gesagt, dass ihr bei Mr. Pizza wirklich eine andere Pizza bekommt, wenn ihr die „italienische“ Variante bestellt. Die ist nicht so, wie ihr sie sonst vermutlich kennt. Ich will grundsätzlich auch nicht sagen, dass deutsche Pizza schlecht ist, sie ist anders. Wenn ihr gesoffen habt, werdet ihr mit einer deutschen Pizza bestimmt glücklicher, denn diese füllt euren Magen und ihr könnt wohlig warm, besoffen und vollgefressen einschlafen. Die italienische Pizza bei Mr. Pizza ist zum Genießen da und für eine Reise in den Süden, beziehungsweise Westen. Wobei: Osten oder Norden geht auch, je nachdem.

Lasst hören! Wer hat jetzt Lust auf Pizza – wo geht’s hin bei euch?

 Der Blogger

Darius kommt aus Dortmund und schreibt auf seinem Blog „FoodLoaf.com“ über Essen, Fitnessprodukte und Restaurants. Angefangen hat alles mit Eis-Tests auf Youtube. Außerdem ist Darius Biochemiker. Deshalb weiß er ganz genau, warum die Hefe im Pizzateig aufgeht und das Bier so schön perlt.

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