Montag, 11. Dezember 2017

“Da passiert was”, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau, nachdem der Verwaltungsvorstand die Gelder für den Radverkehr deutlich aufgestockt hatte. “Wird auch langsam Zeit”, könnte man entgegnen. Insgesamt rund 1,2 Millionen Euro steckt die Stadt nun in die nötige Infrastruktur.

Auf den Bau von Radwegen entfallen davon 750.000 Euro. “Eine enorme Steigerung”, sagte Martin Lürwer, Leiter des Tiefbauamts. Bislang seien nur 50.000 Euro dafür eingeplant gewesen. Viel Radweg bekommt man dafür aber nicht.

Das bedeutendste der Projekte, die teilweise von diesem Geld realisiert werden sollen, ist sicher der Radschnellweg Ruhr (RS1). Hier soll nun ein erster Abschnitt umgebaut werden. Insgesamt kommen nach Abzug von Fördergeldern nur Kosten von rund einer halben Million Euro auf die Stadt zu. Dass Dortmund im Vergleich zu anderen Städten wie Mülheim und Essen beim Bau spät dran ist, ist kein Geheimnis. Zuletzt hatte der Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (Grüne) im Juni die Verwaltung darum gebeten, mit den ersten Arbeiten zu beginnen. Nun wurden seine Bitten offenbar erhört.

Sonnenstraße und Große Heimstraße werden Fahrradstraßen

Als erster Teilabschnitt des RS1 in Dortmund werden im kommenden Jahr die Große Heimstraße und die Sonnenstraße zu Fahrradstraßen umgebaut. Somit sollen Radfahrer künftig schneller und sicherer von der Wittekindstraße am Südwestfriedhof bis zur Ruhrallee am Stadthaus gelangen.

Die Große Heimstraße im Kreuzviertel
Chronische Parkplatznot, fehlender Radweg: In der Großen Heimstraße im Kreuzviertel kommen sich Rad- und Autofahrer oft näher, als ihnen lieb ist. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Hier wurde die Route zudem gestrafft und ist nun leichter zu erfassen. Anstatt entlang der Kreuzstraße werden Radfahrer nun südlich des Friedhofs geleitet und können dann die gesamte Große Heimstraße und anschließend die Sonnenstraße entlangfahren. Die Brücke, über die Radfahrer zukünftig an der Hohen Straße fahren sollen, ist in diesem Plan noch nicht enthalten.

Carsharing als Ersatz

Das führt aber auch dazu, dass entlang dieser Strecke Parkplätze wegfallen. In der Großen Heimstraße sind das laut der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung rund 13 Parkplätze. Dabei handelt es sich um die Straßenplätze neben den Bäumen. Auf denen war das Parken – wenn man ehrlich ist – aber noch nie erlaubt. Sobald die Fahrradstraße dort fertig ist, möchte die Stadt das Abstellen von Autos dort “wirkungsvoll unterbinden”. In der Sonnenstraße werden voraussichtlich 24 Plätze hauptsächlich im Bereich der FH wegfallen. Die Stadt will sich in Gesprächen mit der Deutschen Bahn um Ersatz bemühen.

Carsharing-Autos werden bereits in viele Städten eingesetzt. Foto: dpa

Zudem soll Carsharing in diesem Bereich etabliert werden. “Carsharing kann und soll zu
einer Entspannung der Parksituation beitragen”, heißt es in der Beschlussvorlage. Laut einer dort zitierten Studie des Bundesverbands Carsharing soll ein Auto, das die Anwohner sich teilen, rund 20 Privatautos ersetzen. Die Nutzerzahlen stiegen bereits, mit dem Smartphone sei das leihen eines solchen Wagens zudem recht einfach.

Neue Parkplätze entstehen

Für alle Anwohner, die bis dahin noch nicht aufs Fahrrad (um)gestiegen sind, wird es aber Ausweichplätze geben. Etwa an der Insel am Eingang zum Südwestfriedhof (Einfahrt Stübbenstraße) auf der Großen Heimstraße. Dort sollen künftig rund 17 Plätze in die jetzige Insel hineinragen. Bislang parken die Anwohner ihre Autos drumherum.

Ein Großteil des Geldes wird aber in weitere Projekte gesteckt:

  • Der “Bananenradweg” wird im Stadtquartier Ost verlängert. Kostenpunkt: rund 400.000 Euro.
  • Der Fuß- und Radweg “Rüpingsbach” im Bereich Lennhof wird gebaut.
  • Der Weg entlang des Dortmund-Ems-Kanals wird geplant. Die Kosten trägt der Bund, die Planung übernimmt das Tiefbauamt.
Vom Hafen in die Natur: Der Radweg entlang des Dortmund-Ems-Kanals wird ebenfalls instandgesetzt. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Darüber hinaus will man die Decken auf folgenden Radwegen erneuern:

  • Der “Bananenradweg” vom Defdahl bis zur Klönnestraße
  • Der “Hundeweg” abschnittsweise vom Defdahl bis südlich der B1
  • Der “Rheinischen Esel” von der Hellerstraße bis zur Stadtgrenze Witten

Auf den ehemaligen Bahntrassen wurde ein wassergebundener Belag gewählt. Dieser ist beim Bau günstiger, in der jährlichen Unterhaltung aber teurer. Zudem weicht er bei Nässe auf, staubt aber bei Hitze und ist damit für Radfahrer nicht besonders komfortabel. Daher sollen diese Strecken asphaltiert werden.

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