Donnerstag, 19. Oktober 2017

Mehr als hundert Körperverletzungen, Diebstahl, Gewalt gegen Polizisten: Die Liste der Straftaten bei den Krawallen vor dem Spiel BVB gegen RB Leipzig im Februar ist lang. Jetzt hat die Ermittlungskommission “Strobel” (EK) ihre Ergebnisse vorgelegt. Beim Spiel am Samstag (14. Oktober) soll sich die Gewalt nicht wiederholen.

Die Beamten hatten bei der Aufklärung viel zu tun: Rund 170 Stunden Videomaterial wurden gesichtet, 58 Hinweise gingen über das Portal des BKA ein, Handys wurden ausgewertet und nach Straftätern gefahndet. Mit Erfolg. Von 214 angezeigten Fällen mündeten 168 in Strafverfahren. Das teilte die Polizei Dortmund am Mittwoch (11. Oktober) mit. 66 Personen konnten identifiziert werden.

Die EK “Strobel” wurde nach den Krawallen vor dem Spiel des BVB gegen RB Leipzig gegründet, um möglichst viele Straftaten aufklären zu können. Im Februar hatten Randalierer unter anderem Steine und Flaschen auf die Gästefans aus Leipzig geworfen und dabei mehrere Menschen verletzt.

 

Teilweise gibt es bereits rechtskräftige Urteile gegen einige der Chaoten. Dabei wurden teils hohe Geldstrafen verhängt. Wegen Beleidigung wurden drei Angeklagte zu einer Zahlung von 800, 900 und 1.000 Euro verdonnert. Eine gefährliche Körperverletzung kostete 2.000 Euro, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte 3.600 Euro.

Polizei will erneute Krawalle verhindern

Damit es bei dem Spiel am Samstag (14. Oktober, Anstoß um 18.30 Uhr) nicht erneut zu Ausschreitungen kommt, kündigt die Polizei nun an, sich neu aufzustellen. Das soll zum einen mit mehr als doppelt so vielen Beamten gelingen, wie beim Spiel im Februar. Eine genaue Zahl nannte die Polizei aber nicht. Zum anderen werde man versuchen, die Situation nicht eskalieren zu lassen, sagte Polizeisprecherin Cornelia Weigand. Durch niederschwelliges Verhalten der Polizeibeamten sollen Aggressionen im Keim erstickt werden.

ARCHIV - Fußball: Bundesliga, Borussia Dortmund - RB Leipzig, 19. Spieltag am 04.02.2017 im Signal Iduna Park, Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Der Screenshot aus einem Video zeigt, wie ein Dortmunder Fan von Polizisten auf dem Weg zum Stadion vorläufig festgenommen wird. Die Sitzung des Innenausschusses des NRW-Landtags beschäftigt sich am Donnerstag unter anderem mit den Ausschreitungen beim Fußballspiel Borussia Dortmund gegen RB Leipzig. Foto: Ingo Hahne/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Vor dem Spiel am 4. Februar nehmen Polizisten einen Dortmunder Fan vorläufig fest. Archivfoto: dpa

Dieses Vorgehen ist eine Reaktion auf die Erfahrungen aus der ersten Begegnung der Fangruppen. Damals hatten es vermeintliche Fans des BVB auf den Mannschaftsbus der Leipziger abgesehen. Dieser wurde dann auf einer anderen Route zum Stadion geleitet. Offenbar haben sich die Krawallmacher dann ein andere Ziel gesucht: Die Fans von RB Leipzig.

“Hatten keine Erfahrungswerte”

“Die Polizei hatte keine Erfahrungswerte”, sagt Polizeisprecherin Weigand. Schließlich sei es die erste Begegnung dieser beiden Mannschaften gewesen. Auch bei Spielen anderer Mannschaften gegen RB Leipzig sei es bis dato nicht zu Gewalt gekommen. Der Mannschaftsbus sei jedoch häufiger Ziel von Angriffen gewesen – etwa bei Spielen in Leverkusen oder Köln, wo Farbbeutel auf das Fahrzeug geworfen wurden. Wie die Sportbild berichtet, habe der RB Leipzig jetzt eine Sicherheitsfirma aus Borken beauftragt. Sie soll den Bus und die Spieler schützen. Die Firma wollte dies nicht bestätigen, der Verein war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Polizei schätzt die Begegnung als Risikospiel ein. “Im Ampelsystem wäre das tiefrot”, sagt Weigand. Polizeichef Gregor Lange sagte mit Blick auf das Spiel: “Am nächsten Samstag ist unser Konzept darauf ausgerichtet, Fußballfans aus Leipzig und Dortmund davor zu schützen, von Gewalttätern und Kriminellen, die den Titel ‘Fan’ nicht verdienen, belästigt und angegriffen zu werden.” Zudem kündigte er an, Straftäter mit hohem Aufwand zu verfolgen.

Hinweise für die Gästefans:

Für die Anhänger des RB Leipzig wurden Hinweise zur Anreise (PDF) herausgegeben. Darin wird ausdrücklich die Anfahrt mit Bus und Autos empfohlen. Der Parkplatz E3 sowie kleiner E1 können über die B54 erreicht werden. Von dort aus ist das Stadion zu Fuß erreichbar. Mit der U-Bahn erreichen die Gästefans das Stadion mit der U45 bis Stadtgarten und von dort mit der U46 bis Westfalenhallen über den südlichen Ausgang. Rucksäcke dürfen nicht mitgebracht werden.

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