Mittwoch, 18. Oktober 2017

Aus dem traditionsreichen Kaufhaus Dustmann wird ein “Lifestyle-Store” mit noch mehr sogenannten “Premium-Marken”. Braucht Hombruch sowas eigentlich? Wir haben uns auf der Straße umgehört – und Heinz-Herbert Dustmann gefragt, wen so ein Kaufhaus eigentlich in Hombruch ansprechen soll.

Seit Anfang der 70er-Jahre gibt es das Kaufhaus Dustmann in Hombruch. Unter den Einwohnern des Stadtbezirks ist das Geschäft bekannt als Laden mit qualitativ gutem Sortiment – das aber auch seinen Preis hat.

Geschäftsführer Heinz-Herbert Dustmann wollte eine Frischzellenkur, kündigte Anfang dieses Jahres den kompletten Umbau seines Kaufhauses an. In den “Ruhr Nachrichten” kündigte er jetzt an, wie das Sortiment in Zukunft aussehen könnte. Die Rede ist von einem “breiter aufgestellten Sortiment, das zu einem trend- und selbstbewussten Lebensstil passt.” Geschäftsleiter Christian Dustmann kündigt “noch hochwertigere Artikel und Marken” als bisher an.

Da stellt sich unweigerlich die Frage: Braucht Dortmund, braucht vor allem Hombruch sowas? Und wen will Dustmann überhaupt damit ansprechen?

Aus dem Kaufhaus Dustmann an der Harkortstraße in Hombruch wird ein “Lifestyle-Store”. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Hombruch, die Harkortstraße an einem grauen und windigen Mittwochmittag. Rentner mit Rollatoren und Mütter mit ihren Kindern schlendern über die Fußgängerzone, im Hintergrund ist der Kran auf der Dustmann-Baustelle zu sehen. An einem “Backwerk” sitzen zwei ältere Männer, rauchen ihre Zigarette. Dustmann? Neues Konzept mit mehr Premium-Marken? Die beiden zucken mit den Schultern. “Ist freie Wirtschaft, soll er doch machen”, sagt einer. “Einkaufen werde ich da aber nicht.”

Neues Dustmann-Haus als Vorzeigeobjekt für “Dula”?

Gegenüber der Baustelle läuft Herbert Langer schnell in Richtung Ortsausgang. In Hombruch findet er das neue Dustmann-Konzept eher unpassend, hat aber folgende Vermutung für den Umbau: “Das neue Kaufhaus wird bestimmt als Vorzeigeobjekt für den Ladenbau dienen”. Zum Hintergrund: Heinz-Herbert Dustmann ist nicht nur Inhaber des Kaufhauses, sondern auch Geschäftsführer der Dula-Werke. Die Firma plant und designt Ausstattung und Einrichtung von Geschäften. Fotospezialist “Leica” ist ein Kunde von Dula, genauso wie S. Oliver und Tom Tailor. Aber vor allem ist Dula für den Bau der Möbel in Apple-Stores bekannt. Er selbst, sagt Passant Langer, werde bei Dustmann wohl nicht einkaufen, seine Frau und seine Tochter bestimmt schon. “Im Internet ist es mir günstiger.”

Apple-Chef Tim Cook (M) im April 2017 während eines Rundganges durch die Produktionshalle des auf Ladenbau spezialisierten Unternehmens Dula in Vreden für einen zukünftigen Apple-Store. Rechts Geschäftsführer Heinz-Herbert Dustmann, links Projektmanager Helmut Hollekamp und der technische Leiter Knut Müller. Foto: dpa

Vor dem dm-Drogeriemarkt an der Löttringhauser Straße steht Andreas Specht mit seinem Kinderwagen. Er schaue immer mal wieder bei Dustmann vorbei, für ihn selbst sei das Premium-Segment aber nicht interessant “Da werden wohl eher Kunden aus dem Höchsten oder Kirchhörde angesprochen – oder Spieler vom BVB”, vermutet Specht. Im Süden Dortmunds, das ist Fakt, leben die reichsten Einwohner der Stadt, hier sind die Mieten hoch, hier stehen Dortmunds größte Villen.

Wir halten Ausschau nach jüngeren Hombruchern. Was denken sie wohl über das künftige Kaufhaus? “Sowas kann ich mir sowieso nicht leisten”, sagt Marie-Christin Wenning aus Barop. Sie sei gespannt, wie das Konzept ankomme. Nico Klose dagegen meint, solch ein Kaufhaus passe “atmosphärisch gut” nach Hombruch. “Es ist schön, sowas hier zu haben, auch wenn das nicht so gut zu den Menschen hier passt.” In jedem Fall sei das neue Dustmann-Haus ein Vorzeigeobjekt für den Stadtteil. Klose selbst bevorzugt aber lieber die günstigen Modeketten in der Innenstadt.

Passendes Umfeld für Kaufhaus

Wer sind also die Menschen, die in Hombruch Premium-Artikel kaufen? Zumindest an diesem Nachmittag wird uns niemand von ihnen über den Weg laufen.

Statue in Hombruch
Die Harkortstraße, Hombruchs Fußgängerzone, ist alles andere als eine Meile für Luxus-Artikel. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Stattdessen treffen wir Ur-Hombrucher Wolfgang Büngener. Vor einem Kiosk wartet der Senior mit seinem Rollator auf seine Frau. Seit 1941 lebt er hier, hat viele Läden kommen und gehen sehen. Büngener erinnert sich unter anderem an das hochpreisige Geschäft von Ex-Profi-Radrennfahrer Winfried Bölke, der aber irgendwann gescheitert sei. Nur Dustmann, der halte sich ewig. “Er passt zwar gut in das Umfeld mit Stadtteilen wie Schönau oder Löttringhausen, aber er will halt nur die höhere Klientel in seinem Kaufhaus haben”, findet Büngener.

Die Meinung der befragten Bürger scheint in die selbe Richtung zu gehen. Aber was sagen Boss Heinz-Herbert Dustmann und die Geschäftsleiter Christian Dustmann und Savas Ragop dazu? Stimmen die Vorurteile der Passanten?

“Premium” und “Luxus” nicht durcheinanderwerfen

Zunächst stellt das Unternehmen Eines klar: Man lege bei Dustmann viel Wert darauf, die Wörter “Premium” und “Luxus” nicht durcheinander zu werfen. “‘Premium’ umschreibt hochwertige Mode, die trend- und designbewusst ist. ‘Luxuriös’ bedeutet für Dustmann nicht zwangsläufig nur hochpreisig, sondern vor allem hochwertig, besonders und einzigartig”, sagt Geschäftsleiter Savas Ragop.

Selbstverständlich, so Christian Dustmann, habe man auch Überlegungen angestellt, in Zukunft Luxus-Marken anzubieten. “Wir haben dazu langfristige Ideen. Hierzu werden wir uns erst äußern können, wenn die Planungen und Gespräche weiter fortgeschritten sind.” Aus Dustmann, das wird also klar, wird kein Luxus-Kaufhaus. Jedenfalls nicht im Wortsinn von Dustmann und Co. Man wolle sogar “umfassende Teile des bewährten Sortiments” weiter im Haus haben.

Und was sagt der Unternehmensboss Heiz-Herbert dazu, er würde das neue Kaufhaus als Vorzeigeobjekt für sein Ladenbau-Unternehmen “Dula” nutzen? Er stimmt zu. Sein Unternehmen sei schon immer ein Anschauungsobjekt in der Praxis gewesen. “Mit einem eigenen Kaufhaus sind wir das einzige Ladenbauunternehmen”, so Dustmann, “das seinen Kunden sagen kann ‘Wir kennen Ihre Probleme nicht nur, wir haben sie sogar selbst.'”

Bleibt nur noch der Vorwurf, Dustmann würde nur Dortmunds Edel-Kunden bedienen. Wie erwartet, weist das Unternehmen diese Ansicht von sich. Man denke bei den Kunden nicht in Kategorien. Einkommen, Wohnort, Geschlecht oder Alter seien nicht entscheidend – eher das “Stilgefühl”.

Lifestyle, Stilgefühl, Luxus, Premium – was das betrifft, scheinen die Vorstellungen vieler Hombrucher und die der Dustmann-Bosse offenbar weit auseinanderzugehen. Aber vielleicht ist das alles nur ein großes Missverständnis.

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