Dienstag, 17. Oktober 2017

Rund 50.000 Menschen haben in Dortmund einen Minijob. Zumindest ein Teil von ihnen muss sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft machen. Es droht Armut im Alter.

Für Studenten, Schüler oder Rentner, die sich ein bisschen Geld nebenbei verdienen wollen, sind sie eine willkommene Gelegenheit: Minijobs. Ohne Steuern oder Sozialabgaben zu zahlen, wandern bis zu 450 Euro monatlich bei diesen Arbeiten direkt aufs Konto. In Dortmund gibt es fast 50.000 Minijobber (8,5 Prozent der Einwohner, Stand: 2015). 37.000 davon machen den Job ausschließlich, der Rest als Nebenjob. Die meisten von ihnen arbeiten im Einzelhandel und in der Gastronomie. Für einen Teil von ihnen könnten diese Jobs unter bestimmten Voraussetzungen in Zukunft Probleme bringen.

Denn: Sobald der Minijob zur Haupterwerbsquelle wird, erwirbt man damit in der Regel keine Rentenansprüche. Besonders häufig ist das bei Frauen der Fall. Etwa nach einer Schwangerschaft üben viele Frauen erst einmal einen Minijob aus, der Mann geht dafür Vollzeit arbeiten. Statt später die Arbeitsstunden aufzustocken, bleiben diese Frauen häufig in der sogenannten Minijobberfalle stecken. Sie bekommen aus verschiedensten Gründen keine Festanstellung mehr.

Die Ehe wird somit “zu einem Risiko im Erwerbsverlauf von Frauen”. Dieser vernichtende Befund stand schon im Jahr 2012 in einer Studie des Familienministeriums. Nur Minijobber, die freiwillig drei Prozent ihres ohnehin geringen Lohns in die Rentenkasse einzahlen, erwerben einen winzigen Rentenanspruch. Der am Ende aber auch nicht zum Überleben reicht.

Immer mehr Rentner haben einen Minijob

Interessant: Die Zahl der Menschen, die auch jenseits des Rentenalters noch arbeiten, hat sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren übrigens mehr als verdoppelt. Von 5 Prozent im Jahr 2006 auf 11 Prozent im Jahr 2016. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

In der Statistik, die das gemeinnützige Recherchenetzwerk Correctiv erstellt hat, sieht man, wie sich die Zahl der Minijobber in Dortmund seit 2003 verändert hat. Grafik: Correctiv.org
In der Statistik, die das gemeinnützige Recherchenetzwerk Correctiv erstellt hat, sieht man, wie sich die Zahl der Minijobber in Dortmund seit 2003 verändert hat. Grafik: Correctiv.org

“Die Gründe, warum Ältere weiter arbeiten, sind sicher vielfältig”, sagte die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher der Deutschen Presseagentur. “Aus unserer Sicht belegen die Zahlen aber erneut, dass viele Menschen im Ruhestand arbeiten, weil sie mit ihrer Rente kaum über die Runden kommen.” Andere würde auch im Alter noch gerne einer Beschäftigung nachgehen, auch wenn das Geld aus der Rente so oder so reiche.

Während sich ein Minijob für einige Arbeitnehmer also mehr, für andere auf Dauer weniger lohnt, sind die Jobs für Arbeitgeber von Vorteil. Vor allem Branchen, bei denen Nachfrage und Öffnungszeiten stark schwanken, profitieren. Denn sie können auf ein flexibles Heer von Arbeitern zurückgreifen – mit vergleichsweise wenig bürokratischem Aufwand.

Quote in Dortmund im Mittelmaß

Zurück nach Dortmund: Während die Quote der Minijobber in unserer Stadt mit 8,5 Prozent im deutschen Mittelmaß liegt, gibt es Orte wie Stahnsdorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark, in denen 29,7 Prozent der Menschen Minijobber sind. 15.000 Menschen leben dort – und fast 4.500 machen laut Arbeitsagentur einen Minijob.

Der Grund: In Stahnsdorf ist Impuls One beheimatet, ein Unternehmen, das „Dienstleistung für den Handel“ anbietet. Im Vergleich mit den Ruhrgebietsstädten weist Dortmund aber ähnliche Minijobberwerte auf. Während Bochum eine Minijobberquote von 8,8 Prozent hat, sind es in Essen 8,7 Prozent. Auffällig: In allen drei Städten sind die Zahlen der Minijobber seit 2003 gestiegen.

Was aktuell sinkende Arbeitslosenzahlen bringt, könnte sich in einigen Jahren allerdings als fatal herausstellen. Verbände wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisieren, dass Minijobber überdurchschnittlich hoch armutsgefährdet seien. Arbeitgeberverbände kontern, die mit der Armutsrisikoquote erfasste Armut gehe weit über das hinaus, was üblicherweise unter Armut verstanden werde.

Um der Armut im Alter vorzubeugen, hat die Bundesregierung im Januar 2017 zum Beispiel den flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro auf 8,84 Euro je Arbeitsstunde eingeführt. Doch ob diese und weitere Stellschraubenkorrekturen reichen, um Minijobber vor Armut zu schützen?

Experten raten dazu, in jedem Fall privat vorzusorgen. Schwer vorstellbar, wenn das Gehalt gerade so reicht, um über die Runden zu kommen. Bleibt am Ende die Erkenntnis, sich nicht dauerhaft mit einem Minijob abzufinden.

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